Learnings aus Chemnitz: Wie bleibt Kirche im Säkularen präsent?
Shownotes
Im vergangenen Jahr durfte sich die drittgrößte sächsische Stadt Chemnitz gemeinsam mit dem slowenischen Nova Goricia mit dem Titel als „Europäische Kulturhauptstadt“ schmücken. 12 Monate lang luden unzählige Ausstellungen, Inszenierungen und Performances nach Mittelsachsen ein, unter dem Motto „C the Unseen“ die Aufmerksamkeit für das auf den ersten Blick vielleicht Übersehene zu schärfen. Auch die Kirchen mischten dabei mit zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen mit.
Knapp ein Jahr später stellt sich die Frage nach dem, was bleibt und was man vielleicht auch andernorts von den Erfahrungen, die Chemnitz in diesem kulturellen Ausnahmejahr gesammelt hat, lernen kann. Heute haben wir im Podcast deshalb nochmals die Verantwortliche zu Gast, die von 2023 bis 2026 den kirchlichen Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr in Chemnitz von katholischer Seite intensiv begleitet und all die Eindrücke und im Anschluss entstandene Gedanken nun auch zwischen zwei Buchdeckel gebracht hat.
Dr. Ulrike Lynn wuchs in Erfurt auf, studierte in Berlin Germanistik und Philosophie, promovierte mit einer Arbeit über Gestik und war unter anderem in den USA und an der Universität Chemnitz wissenschaftlich tätig. Die ausgebildete Kreativitätspädagogin arbeitete zudem als Lehrerin in einer Kreativitätsgrundschule und studierte berufsbegleitend Grundschullehramt – und nicht zuletzt auch im Fernkurs Theologie.
Hinweise:
- Mehr Informationen zur Veranstaltung mit Ulrike Lynn am 01.10.2026 um 19 Uhr in der Pfarrei Sankt Marien in Dresden-Cotta sind unter diesem Link zu finden.
- Das Buch „Und siehe, ich bin da. Kirche als geistliche Präsenz im säkularen Raum“ ist im Bonifatius-Verlag erschienen.
- Hier findet ihr die beiden Folgen, in denen Ulrike Lynn bereits bei uns im Podcast zu Gast war:
- „History of Citizens“ erschienen am 11.09.2025, auch zu finden auf YouTube und Spotify
- „C the Unseen“ erschienen am 08.05.2025, auch zu finden auf YouTube und Spotify
Redaktion: Jonatan Burger, Emily Siegel Intro/Outro, Schnitt und Produktion: Daniel Heinze
Transkript anzeigen
00:00:01: Und wir mussten akzeptieren, wir sind nur eine ganz kleine Stimme unter vielen.
00:00:06: Das war schmerzhaft in manchen Momenten aber es hat eben auch eine gewisse Freiheit geschaffen.
00:00:11: Denn als wir uns nicht mehr selbstverständlich in den Mittelpunkt stellen konnten, konnten wir aufhören ständig um unsere eigene Position zu kreisen und konnte ganz andere Fragen stellen!
00:00:33: Learnings aus Chemnitz über geistliche Präsenz im säkularen Raum.
00:00:38: Was bleibt vom kirchlichen Beitrag zur europäischen Kulturhauptstadt?
00:00:53: Im vergangenen Jahr, dass die drittgrößte sächsische Stadt Chemnitz in ganz Europa im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand.
00:01:01: Denn gemeinsam mit dem slowenischen Nova Gorica durfte sich die Stadt am Fuße des Erzgebirges mit dem Titel europäische Kulturhauptstadt schmücken.
00:01:09: Zwölf Monate lang luden unzählige Ausstellungen, Inszenierungen und Performances nach Middlesachsen ein.
00:01:16: Es ging darum, unter dem Motto Siebianzin die Aufmerksamkeit zu schärfen für das auf den ersten Blick vielleicht übersehender.
00:01:23: Und auch die Kirchen mischten dabei mit zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen mit.
00:01:28: Knapp ein Jahr später stellt sich nun die Frage was bleibt davon?
00:01:31: Was lernen Menschen von den Erfahrungen, die Chemnitz in diesem kulturellen Ausnahmejahr gesammelt hat – vielleicht ja auch andernorts!
00:01:38: Heute spreche ich deshalb im Podcast nochmals mit derjenigen Verantwortlichen, die von bis zu den Kirchlichen Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr in Chemnitz von katholischer Seite aus intensiv begleitet hat und all die Eindrücke und im Anschluss entstandene Gedanken nun auch zwischen zwei Buchdeckel gebracht hat.
00:01:54: Dr.
00:01:55: Ulrike Lünnensewuchs in Erfurt aufhat in Berlin Germanistik und Philosophie studiert, promovierte mit einer Arbeit über G-Stick und war unter anderem in den USA Die ausgebildete Kreativitätspädagogin arbeitete zudem als Lehrerinnen einer Kreatives Grundschule und studierte Berufsbegleitungsgrundschullehramt.
00:02:15: Und in diesem Feld ist sie auch wieder tätig!
00:02:17: Und nicht zuletzt hat sie auch im Fernkurs Theologie studiert.
00:02:20: Zwei Mal war Ulrike Lünn schon bei uns im Podcast zu Gast, um besondere kirchliche Beiträge zum Kulturhauptstadtjahr vorzustellen!
00:02:26: Wenn ihr das hören wollt, dann guckt mal in die Shownotes.
00:02:28: da haben wir die Folgen für euch verlinkt Ihr neues Buch das heißt und siehe ich bin da Kirche als geistliche Präsenz im säkularen Raum und es ist Anfang des Jahres im Bonifatius Verlag erschienen.
00:02:38: Doktor Ulrikke Lünnen schön dass du mal wieder bei uns Im podcast zu Gast bist.
00:02:41: Hallo und herzlich willkommen beim mit Herz und Haltung.
00:03:02: Ja,
00:03:06: ich glaube schon dass man Gott übersehen kann und vielleicht sogar leichter als wir denken.
00:03:11: Nicht weil er nicht da wäre, vielleicht eher weil wir bestimmte Vorstellungen davon haben wie Gott sich zeigen müsste.
00:03:18: Manchmal erwarten wir von ihm das Eindeutige, das Große vielleicht das Außergewöhnliche, aber auf jeden Fall etwas weit bei dem wir sofort sagen können ja, dass ist Gott.
00:03:29: Aber eine Erfahrung die sich eigentlich durch den gesamten Kulturhauptstadt Kontext und auch durch mein Buch zieht, ist genau die Umgekehrte.
00:03:37: Gott begegnet nämlich oft im Unscheinbaren, im Kleinen manchmal auch in kaputten, im Gebrochenen und deshalb ist dieses Motto der Kulturhauptstattziehe die Anziehen also siehe das Ungesehene irgendwann mehr geworden als ein Kulturhauptstadtmotto.
00:03:52: Es wurde für mich und für uns zu einer geistlichen Frage, also was sehe ich eigentlich nicht?
00:03:58: Was übersehe ich im Alltag – vielleicht weil es mir zu gewöhnlich erscheint oder weil das nicht spektakulär genug ist oder weil es eben nicht in das Bild passt, dass ich mir vorher gemacht habe.
00:04:09: Aber Gott ist eben nicht unbedingt dort zu finden wo Menschen Macht- oder Glanz-, oder Eindeutigkeit erwarten sondern Christus begegnet im Verwundeten!
00:04:17: fremden und in den Menschen am Rand.
00:04:20: Das finde ich persönlich einen ganz faszinierenden Gedanken, Gottes Gegenwart muss vielleicht gar nicht erst hergestellt werden.
00:04:28: sie ist längst da und die eigentliche Frage ist ob Ich Sie wahrnehme?
00:04:33: Und damit bin ich eigentlich bei einer Grundfrage meines Buches.
00:04:37: Vielleicht sollten wir nicht immer nur fragen wo ist Gott sondern wie schaue ich eigentlich auf die Welt?
00:04:42: habe ich gelernt Gottes Gegenwahrt wahrzunehmen?
00:04:45: Wir haben in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt, dass Ungesehene ist nicht leer.
00:04:50: Gott ist immer mittendrin und genau deshalb steht am Ende dieses Weges und auch am Ende des großen Jahres für mich die biblische Zusage, die auch das Buch trägt uns sehe ich bin da
00:05:02: Ja und dieses Sehen, das meinst du ja wirklich ganz konkret und ganz praktisch.
00:05:06: In dem Buch zeichnet ihr den Weg nach, den die Kirchen in Chemnitz bei der Vorbereitung des Jahres gegangen sind auf den Weg hin zum Kulturhauptstadtjahr.
00:05:14: Es ist aber nicht nur ein Nachbericht sondern will eine Sehschule sein.
00:05:17: so bezeichnest du das?
00:05:19: Was hat es mit diesem Begriff und dieser Idee der See-Schule auf sich?
00:05:22: sehen is ja eigentlich was was immer so nebenher passiert und Du willst aber dass wir's bewusst tun.
00:05:27: also Erstmal ist Sehen ja eigentlich etwas völlig Selbstverständliches für uns.
00:05:31: Wir öffnen morgens die Augen und schauen in den Tag um uns herum, uns selber.
00:05:37: Und darüber denken wir normalerweise überhaupt gar nicht nach aber gleichzeitig übersehen wir so unglaublich viel!
00:05:44: Das liegt auch daran dass unser Sehen stark automatisiert ist.
00:05:48: Wir sehen etwas erkennen es ordnen es ein bewerten und das oft innerhalb von wenigen Sekunden brauchen, wenn natürlich auch.
00:05:58: Sonst könnten wir unseren Alltag gar nicht bewältigen.
00:06:00: aber es hat eben auch eine Kehrseite.
00:06:02: Irgendwann sehen wir vielleicht nur noch das was wir ohnehin schon kennen oder zu kennen glauben.
00:06:08: und genau da setzt für mich und für uns als Kulturkirche diese Idee der Sehschule an.
00:06:13: Es geht natürlich nicht darum mit den Augen besser sehen zu lernen sondern darum die eigene Wahrnehmung einzüben.
00:06:19: also kann ich langsamer werden?
00:06:22: Kann ich genauer hinschauen Kann ich vielleicht auch einmal ein Moment länger bei etwas bleiben, bevor ich es einordne und gleich bewerte?
00:06:30: Es klingt erst mal alles sehr einfach.
00:06:32: Aber ich glaube, es verändert unglaublich viel.
00:06:35: Zum Beispiel ist ein Leerstand dann vielleicht nicht einfach nur ein leer stehendes Gebäude sondern einen Ort voller Geschichten und vielleicht auch voller Möglichkeiten.
00:06:44: das haben wir hier in Chemnitz erlebt in den letzten Jahren.
00:06:47: oder ein Riss erzählt nicht nur davon dass etwas kaputt gegangen ist er erzählt auch von einer Geschichte von einer Verletzung und vielleicht von etwas, das trotzdem weiter trägt oder aus diesem Riss heraus Neues entstehen lässt.
00:07:01: Und auch ein Mensch an dem ich normalerweise vielleicht vorbeigehen würde bekommt plötzlich einen Gesicht und eine ganz eigene Geschichte – Das ist für mich Sehschule!
00:07:11: Deshalb ist sie im Buch auch keine Theorie.
00:07:14: wir haben diese Form des Sehens im Kulturhauptstadtprozess an ganz unterschiedlichen Stellen erlebt.
00:07:20: Beim Pilgern zum Beispiel, wenn ich zu Fuß unterwegs bin verändert sich mein Blick schon allein durch die Geschwindigkeit.
00:07:26: Ich nehme die Landschaft anders wahr und sehe Dinge an denen ich sonst vielleicht in enormem Tempo einfach vorbeifahren würde oder in der Kunst.
00:07:35: Kunst kann meinen gewohnten Blick unterbrechen.
00:07:37: sie kann mich irritieren, ich verstehe vielleicht nicht sofort was ich sehe.
00:07:41: aber genau deswegen bleibe ich vielleicht dabei.
00:07:45: Ja, und in diesen Momenten passiert etwas was für mich und für uns sehr wichtig sein kann.
00:07:50: Sehen bleibt eben nicht beim sehen!
00:07:53: Wenn ich wirklich wahrgenommen habe dass jemand übersehen wird dann kann ich nicht einfach so tun als hätte ich ihn oder es nicht gesehen.
00:08:02: aus Wahrnehmung entsteht eine Verantwortung Und der Blick verändert irgendwann auch mein Handeln.
00:08:07: Ich würde vielleicht am Ende so zusammenfassen und sagen sehschule bedeutet nicht mehr zu sehen sondern einfach anders auf die Dinge zu schauen und einen Blickwechsel zu wagen.
00:08:20: Dazu passt auch ein anderer Satz, der mir hingeblieben ist, den ich mal zitieren möchte.
00:08:25: Du schreibst Offenbarung dringt nicht mit Lautstärke ins Leben, sondern wächst im Lauschen, im Betrachten und dem Achtsamen Aufmerken.
00:08:33: Da kommt man natürlich auch der biblische Prophet Elia in den Sinn, der Gott auch nicht im Sturm oder im Erdbeben, sondern im sanften Säuseln, im sanftem Wind entdeckt hat.
00:08:40: Wo habt ihr denn ein Campnitz mit eurer Sehschule an Traditionen anknüpfen können, die eigentlich vielleicht schon in der Bibel oder in der Tradition der Kirche im Christentum versteckt sind oder grundgelegt sind?
00:08:50: Also uns ist sofort aufgefallen dass diese Sehschule ja was zutiefst biblisches is.
00:08:57: Also wenn man mit dieser Frage durch die Bibel geht und mit dieser frage die Bibeln liest dann fällt auf wie häufig Menschen etwas sehen gar nicht erkennen, was da eigentlich geschieht.
00:09:10: Ein sehr schönes Beispiel ist für mich da die Emmaus-Geschichte.
00:09:14: Da sind die zwei Jünger unterwegs.
00:09:15: Christus geht längst mit ihnen Sie sehen ihn sie sprechen mit ihm und trotzdem erkennen sie ihn nicht.
00:09:21: Und erst im gemeinsamen Gehen Im Gespräch und schließlich beim Brechen des Brotes verändert sich dann ihr Blick.
00:09:28: Das finde ich für die Sehschule ganz wesentlich.
00:09:31: Gottes Gegenwart muss offenbar nicht erst hergestellt werden sondern sie isst längs da auch bevor ich sie erkenne.
00:09:38: Und ein anderes Beispiel wäre Moses am brennenden Dornbush, auch da finde ich interessant dass Mose zunächst unterbrochen wird, er ist unterwegs, er hat seinen Alltag sein Weg und plötzlich ist da etwas das seine Aufmerksamkeit verlangt.
00:09:52: und Mose geht eben nicht einfach weiter, er wendet sich dem Phänomen zu und so beginnt auch sein geistliches Sehen, Kulturhauptstadt-Motto angelehnt natürlich noch den Bartimeus, dieser blinde Mann der den ganz einfachen Satz sagt ich möchte sehen können.
00:10:12: Natürlich geht es da in dieser Bibelstelle zunächst ganz konkret um seine Blindheit aber für mich steckt in diesem Satz noch eine viel größere geistliche Sehnsucht denn nachdem Bartimeos sehen kann passiert ja was ganz entscheidendes eher folgt Jesus.
00:10:27: Das heißt also biblisch gesprochen, sehen und gehen gehören ganz unmittelbar zusammen.
00:10:33: Er sieht nicht einfach nur mehr von der Welt als vorher sondern sein Bartimeos und auch unser Seen verändert den Weg.
00:10:41: Und genau diese Bewegung zieht sich eigentlich durch das Buch.
00:10:45: Sehen sich berühren lassen und dann vielleicht auch anders weitergehen.
00:10:54: Unterwegs.
00:10:55: Und Kulturkirche-Zweißen und Fünfundzwanzig war so der Ort, der Begriff, der über all den Aktivitäten der Kirche der Kirchen stand?
00:11:02: Wenn wir von Kirche sprechen dann ist in dem Wort ja ganz viel versteckt und ganz viele verschiedene Ebenen.
00:11:07: die einen sehen da Kirche als Institution, als globales Netzwerk, Kirche Als Arbeitgeberin für Hauptamtliche, als Ort des Engagements für Ehrenamtliche usw.. An welche Form von Kirche richtet sich denn diese Chemditzer Sehschule, die ihr da eingeübt und praktiziert und habt und jetzt weitergeben wollt?
00:11:23: Und was steht euch vor Augen wenn ihr von der von der geistlichen Präsenz von Kirchen sprecht.
00:11:27: Also das ist eine ganz wichtige Frage!
00:11:30: Wenn ich in dem Buch oder wenn wir als Kulturkirche im Jahr twenty-fünfundzwanzig von Geistlicher Präsens sprechen und gesprochen haben dann meinten wird tatsächlich nicht nur die Kirche als Institution aber... Das ist mir auch wichtig hier mit anzuführen.
00:11:44: Ich möchte die Institutionen natürlich nicht kleinreden.
00:11:47: Wir brauchen Gemeinden, Haupt- und Ehrenamtliche Kirchengebäude wir brauchen Gottesdienste und wir brauchen vor allem verlässige Strukturen.
00:11:54: Institutiones schaffen Kontinuität sie stellen Räume zur Verfügung ermöglichen Arbeit geben Ressourcen und tragen natürlich große Verantwortung aber gerade im Kulturhauptstadtprozess haben wir einfach erlebt Kirche ist noch viel mehr als das.
00:12:09: Sie kann auch dort Gestalt gewinnen oder gerade dort Gestald gewinnen, wo Menschen aus ihrem Glauben heraus miteinander unterwegs sind.
00:12:17: Manchmal eben über die gewohnten institutionellen und auch konfessionellen Grenzen hinweg.
00:12:22: Kulturkirche zwanzig fünfundzwanzig war für mich und für uns alle eine ganz wichtige Erfahrung.
00:12:27: da kamen Menschen aus unterschiedlichen christlichen Kirchen und Gemeinschaften zusammen, die vorher zum Teil eher nebeneinander unterwegs waren.
00:12:36: Und wir als Gemeinschaft haben nicht zuerst gefragt, wer ist denn hier eigentlich zuständig?
00:12:41: Oder wer leitet das oder wer darf für wen sprechen.
00:12:44: Das machen Kirchen immer mal gerne so.
00:12:46: erstmal Fragen wie ist die Zuständigkeitslinie und so genau
00:12:48: richtig?
00:12:48: Für uns war aber Die erste Frage viel einfacher was geschieht hier eigentlich gerade mit unserer Stadt und in dieser Region?
00:12:56: Was nehmen wir wahr was bewegt die Menschen und was könnte Genau darin unsere gemeinsame Aufgabe sein?
00:13:04: Und dadurch ist nämlich das gewachsen, was vorher so überhaupt nicht planbar war.
00:13:09: Deshalb würde ich die geistliche Präsenz – wie du es gerade genannt hast und wie es auch im Buch steht – nicht an der Unterscheidung zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen Institutionen und Engagement festmachen sondern eben daran, wie Menschen gemeinsam unterwegs sind.
00:13:26: Entscheidend ist also für mich weniger die Funktion als die Haltung.
00:13:31: Da sind wir schon wieder bei der Sehschule!
00:13:33: Das verändert die Vorstellung davon, wann Kirche wie präsent ist.
00:13:38: Wie seid ihr denn ganz konkret vorgegangen bei diesem Hinschauen?
00:13:41: Ihr wolltet sowohl ich zitiere dich mal die Wunden welche die Stadt kennzeichnen sehen und erkennen aber eben auch die zuversichtlichen Aufbrüche von Chemnitz.
00:13:50: und habt ihr vielleicht am Anfang was übersehen was ihr später erst gesehen habt?
00:13:53: wie war das ganz konkret?
00:13:55: Also es liefen ja sehr viele Jahre der Vorbereitung schon, auch im Hinblick auf das große Kulturhauptstadtjahr.
00:14:03: Und wenn ich auf diese Vorbereitungen zurückschaue, dann gab's immer wieder ganz wichtige Momente in denen wir gespürt haben – Der erste Blick reicht gar nicht!
00:14:13: Das beginnt schon bei der Stadt selber.
00:14:15: über Chemnitz gibt´s ja sehr schnelle Bilder und Zuschreibung von außen aber durchaus auch innerhalb der Stadt unter den Menschen die hier leben selber Chemnitzer sind.
00:14:25: Besonders deutlich wurde das ja nach dem Rechtsruck, der auch sogar im Bewerbungsbuch als einer der Brüche groß hochgehalten wurde.
00:14:34: Das war mutig aber es war ein Entscheidungskriterium glaube ich.
00:14:39: Chemnitz war plötzlich enorm sichtbar.
00:14:41: die Stadt in den Medien wurde bundesweit wahrgenommen und diskutiert.
00:14:44: Aber gleichzeitig hatten die Menschen hier das Gefühl dass was da über unsere Stadt erzählt wird Das sind wir gar nicht oder jedenfalls das ist nicht alles von uns.
00:14:54: Und dass es für mich im Rückblick eine ganz interessante Erfahrung, man kann sehr sichtbar sein und trotzdem nicht wirklich gesehen werden.
00:15:02: Es braucht also immer diesen zweiten Blick.
00:15:05: was liegt hinter den Bildern?
00:15:07: Was hat die Stadt und die Region geprägt?
00:15:10: Welche Verletzungen gibt es hier welche Brüche?
00:15:13: Ja aber gleichzeitig auch das ist ebenso wichtig.
00:15:16: Welche Kraft ist daraus hervorgegangen?
00:15:20: Wo gibt es Hoffnung?
00:15:22: vielleicht auch auf Chemnitz bezogen, einen gewissen Trotz?
00:15:26: Und dasselbe gilt eben auch für die Region.
00:15:28: Sie war nicht einfach das Umland oder die Kulisse, sondern wenn man genauer hinschaut, entdeckt man dort genauso viele Geschichten, kulturelle Erfahrungen, Initiativen und Menschen, die ihre Orte tragen oft ohne große Öffentlichkeit – und das sollte eben ins Licht gestellt werden!
00:15:45: Das ist uns denke ich ganz gut gelungen.
00:15:48: Im Moment scheint dir der gesellschaftliche Zusammenhalt prekäre geworden zu sein.
00:15:52: Wir haben polarisierte und emotionale Meinungen zu allen möglichen Zukunftsfragen, und es ist auch irgendwie gefühlt ein bisschen härter untereinander geworden, welche Antworten können denn Kirche und Kultur auf diesen Zustand, auf diese Wahrnehmung geben?
00:16:06: Und was hat das vielleicht mit hinsehen oder Hinhören zu
00:16:09: tun?".
00:16:10: Also ich glaube tatsächlich, dass genaueres hinsehen und vor allem auch hinhören eine ganz wichtige Ressource für unseren gesellschaftlichen Zusammenhang sein kann.
00:16:19: Also Zusammenhalt beginnt in meinen Augen ja nicht erst dort wo wir uns auf eine gemeinsame Position geeinigt haben sondern schon viel früher nämlich bei der Frage nehme ich den anderen überhaupt noch wahr?
00:16:29: höre ich ihn wirklich zu und halte ich auch das aus?
00:16:33: Dass seine Geschichte, seine Erfahrungen und vielleicht seine Überzeugung die sich nicht mit meinen Decken eben anders sind als meine.
00:16:40: Das klingt ja für uns als demokratische Menschen erstmal ganz selbstverständlich, aber ich glaube genau das ist heute gar nicht so einfach weil wir einfach sehr schnell darin sind Menschen einzuordnen nach politischen Positionen, Milieus-, religiösen oder nicht-religiösen Überzeugungen und das brauchen wir zwar auch bis zu einem gewissen Grad um uns zu orientieren.
00:17:02: Aber es gibt eben diesen einen Punkt an dem mich nicht mehr den Menschen sehe sondern nur noch die Kategorie in die ich ihn vielleicht eingeordnet habe.
00:17:10: Und genau diese schnelle Bewegung versucht eben unsere Sehschule zu unterbrechen, also noch einmal hinsehen, nochmal genauer hinhören und vielleicht auch erst mal aushalten, dass sich den anderen nicht sofort verstehe.
00:17:27: An dieser Stelle sehe ich eine ganz interessante Verbindung zwischen Kultur- und Kirche.
00:17:32: Kultur kann Räume schaffen, in denen unterschiedliche Erfahrungen nebeneinander stehen dürfen.
00:17:37: Ja, ein Kunstwerk zum Beispiel muss einen gesellschaftlichen Konflikt ja nicht lösen.
00:17:41: Aber es kann etwas sichtbar machen für das wir vorher vielleicht keine Sprache hatten und ich glaube Kirche hat da etwas einzubringen.
00:17:49: allerdings naja nur dann wenn sie nicht meint immer sofort die fertigen Antworten zu haben.
00:17:55: denn auch die christliche Tradition kennt ja das Zuhören des Schweigen das gemeinsame Gehen das Teil von Brot Gastfreundschaft und Versöhnung.
00:18:05: Das sind erst einmal sehr einfache Dinge, aber gesellschaftlich können sie eine große Kraft entwickeln.
00:18:10: Und ich meine dass die Verbindung von Kultur und Kirche hier einer ganz wichtige ist.
00:18:17: dieses schnell Leute einordnen wollen oder in von mir aus auch ne Schublade stecken, von dem du grad gesprochen hast is ja sicherlich auch im Befund unserer Zeit.
00:18:26: es geht ja bei uns ganz oft um Geschwindigkeit, um Effizienz und wir müssen uns schnell ne Meinung bilden in diesem täglichen Hasel irgendwie schnell wissen, woran wir sind und woran auch bei anderen Menschen.
00:18:37: Und das was du beschreibst, dass ihr wollt mit der Sehschule ist ja aber quasi eine Gegenbewegung dazu.
00:18:42: es geht um eine Haltung die Geduld braucht und indem man sich rein denken muss wie soll denn das gelingen so im tägliche Hamsterrad wo wir alle auch ein bisschen drinstecken und auch Tempo machen und es schnell gehen muss?
00:18:53: Ja ich glaube Daniel Du beschreibts dir wirklich Eine ernstzunehmende Spannung.
00:18:57: Ja, also wie du sagst wir sind heute dran gewöhnt ganz schnell zu reagieren.
00:19:01: Wir müssen tausende Informationen aufnehmen Entscheidungen treffen Dinge einordnen und das oft sogar schon innerhalb von wenigen Sekunden.
00:19:10: Das ist ja auch nicht grundsätzlich schlecht.
00:19:12: Geschwindigkeit gehört eben heutzutage dazu.
00:19:14: aber ich glaube es gibt Dinge die lassen sich einfach nicht beschleunigen.
00:19:18: Vertrauen zum Beispiel Versöhnung Trauer.
00:19:21: Das kann man nicht erzwingen und das kann man eben nicht beschleunigen, auch eine wirkliche Begegnung mit dem anderen Menschen gehört dazu und vielleicht sogar mein eigener oder unser Glaube.
00:19:33: Genau da setzt für mich wieder die Sehschule an denn genaues sehen braucht Zeit!
00:19:37: Das haben wir zum Beispiel wenn ich mal ein konkretes Beispiel nennen darf beim Pilgern ganz deutlich erlebt.
00:19:43: also Wenn wir zu Fuß unterwegs sind dann können wir den Weg nicht vorspulen.
00:19:48: Ich muss ihn gehen, ich muss ihn laufen Schritt für Schritt.
00:19:51: Und irgendwann verändert eben dieser äußere Rhythmus auch etwas in meinem Inneren.
00:19:55: Ich fange an ganz anders zu atmen, meine Gedanken sortieren sich, ich nehme die Landschaft anders wahr, ich sehe Dinge, an denen ich vielleicht mit dem Auto ganz schnell vorbeigefahren werde und das Interessante daran ist – Die Landschaft hat sicher gar nicht verändert aber mein Blick auf sie indem ich gegangen bin langsam und indem ich meinen Blick verändert habe.
00:20:15: Und das ist, glaube ich für mich auch eine Frage der Geduld.
00:20:21: Die Sehschule ist eben auch eine Herausforderung die Geduld mit sich bringt nicht als Aufforderungen aus dem modernen Welt auszusteigen Das brauchen wir gar nicht und jetzt vielleicht alles viel langsamer zu machen aber Als Erinnerung daran dass es einfach Bereiche in unserem Leben gibt In den Geschwindigkeit mal keine Tiefe erzeugt.
00:20:41: Manches braucht einfach Zeit Und manches wird vielleicht überhaupt erst sichtbar, wenn wir uns diese Zeit nehmen und wenn wir bei der Sache bleiben.
00:20:50: Nun verzichtest du ganz bewusst auf Checklisten oder Entwürfe für Veranstaltungen könnte man ja auch so machen dass man sagt hier wir haben das Format gemacht und das lief so und ihr müsst darauf das beachten und das Plakat muss so und so aussehen.
00:21:01: also keine Rezepte was man jetzt machen könnte weil es bei euch gut gelaufen ist.
00:21:05: Aber wie könnte es denn in einer Kirchgemeinde, sagen wir mal am anderen Ende des Landes gelingen aus dieser Sehschule?
00:21:10: Aus diesen Erfahrungen des Jahres zwölfundzwanzig und der Zeit davor was rauszuziehen.
00:21:15: Was vielleicht auch dort funktionieren kann.
00:21:19: Also ich glaube wir sollten sehr vorsichtig damit sein jetzt Chemnitz zu einem Modell machen zu wollen das also einfach übertragbar wäre auf andere Kirchen Gemeinden oder Orte Denn das würde ja eigentlich auch unsere Idee der See Schule widersprechen.
00:21:32: Also wenn eine Gemeinde an einem anderen Ort fragt, was haben die in Chemnitz gemacht und wie können wir das bei uns genauso machen?
00:21:38: Dann wäre meine Antwort eher schaut nicht zuerst nach Chemniz sondern schaut bei euch selbst.
00:21:45: Was geht gerade bei euch vor?
00:21:46: Welche Menschen leben da?
00:21:48: Was bewegt euch?
00:21:50: Welcher Verletzungen gibt es?
00:21:51: Welchen Brüche?
00:21:51: Welches Sehnsüchte... Ja und das heißt eben auch übertragbar sind für mich weniger die einzelnen Projekte Sondern übertrakbar ist vielleicht eher Die Haltung, die wir hier gelernt haben vor allem auch im Umgang mit der Seeschule.
00:22:05: Natürlich hatte Chemnitz dabei eine besondere Ausgangslage.
00:22:09: Wir waren europäische Kulturhauptstadt und leben in einer stark säkularisierten Region.
00:22:16: christlicher Glaube und kirchische Sprache sind hier für viele Menschen überhaupt nicht mehr selbstverständlich.
00:22:21: Also Kirche steht hier nicht automatisch im gesellschaftlichen Zentrum wie vielleicht noch anderen Orts, und sie wird auch nicht mehr automatisch gefragt.
00:22:30: Ihre Meinung ist gar nicht mehr wichtig!
00:22:32: Das kann man einerseits als Verlust erleben – ich möchte das auch gar nicht schönreden aber die Diaspora-Situation hat vielleicht eine andere Seite, eine befreiende.
00:22:43: Also wir konnten weniger voraussetzen, wir mussten zuhören.
00:22:47: Wir mussten uns fragen, versteht eigentlich jemand außerhalb unserer kirchlichen Zusammenhänge noch was wir sagen?
00:22:53: Was meinen wir überhaupt wenn wir von Glauben, Hoffnung oder Evangelium sprechen?
00:22:57: welche Sprache könnten wir uns antrainieren damit wir mehr Menschen erreichen außerhalb des Vokabulars das uns so vertraut ist aber viele eben gar nicht mehr sprechen?
00:23:08: Und wir mussten akzeptieren, wir sind nur eine ganz kleine Stimme unter viel.
00:23:14: Das war schmerzhaft in manchen Momenten aber es hat eben auch eine gewisse Freiheit geschaffen.
00:23:20: Denn als wir uns nicht mehr selbstverständlich in den Mittelpunkt stellen konnten das gilt für die letzten Jahrzehnte dann konnten wir aufhören ständig um unsere eigene Position zu kreisen und konnten ganz andere Fragen stellen wie eben was geschieht um uns herum?
00:23:35: Was bewegt die Menschen wo entstehen Beziehungen?
00:23:38: Und mit diesen Fragen konnten wir eben auch eine ganze Menge tun und sind handlungsfähig geworden auf einer Art und Weise, die ich eigentlich als Freie bezeichnen möchte.
00:23:50: Gab's so bestimmte Punkte oder Themen wo ihr gemerkt habt?
00:23:54: Ah das dockt an!
00:23:55: Mit einer komplett Kirchen-Fernbubble oder mit Teilen der Gesellschaft, die wir vielleicht mit so sehr churchy daherkommenden Sachen nie erreicht hätten.
00:24:02: Kannst du da vielleicht ein paar Themenfeldern nennen?
00:24:05: Also auf jeden Fall hatten wir große Themenfelder wie zum Beispiel Begegnung oder Versöhnung.
00:24:11: Das waren Bereiche, in denen wir gemerkt haben dass auch viele Menschen die sonst mit dem christlichen Glauben vielleicht kaum in Berührungen gekommen sind sich diesen Themenfeldern zugewandt haben.
00:24:22: das sind ja ganz also grob ethische, möchte ich mal sagen.
00:24:27: Die jetzt natürlich dem christlichen Auftrag unterliegen aber die für alle Menschen gleichermaßen relevant sind, die die Friedensthematik beispielsweise ja die Versöhnung habe schon angesprochen die Brüche und der Umgang mit den Brüchen Heilung das sind alles so Themenfelder Vor allem außerhalb unserer Kirchentüren.
00:24:47: Das möchte ich auch immer mal wieder betonen, es ging gar nicht darum die Leute immer zu uns einzuladen sondern ich glaube eines dieser großen Rezepte wenn man das überhaupt in Anführungsstrichen so nennen kann war es tatsächlich rauszugehen und auf die Menschen zuzugehen um dann mit diesen Themen zu kommen und einzuladen mitzudenken.
00:25:06: und wir haben sehr oft die Rückmeldung bekommen dass sie Leute ganz begeistert waren oder ja auch ganz überrascht davon, wie wir als Kirche eben eine Sprache finden konnten.
00:25:18: Oder uns bemüht haben, eine Sprach zu finden die eben außerhalb von diesem schwer verständlichen Vokabular argumentiert.
00:25:25: und wir haben gemerkt dass das ein großer Türöffner war.
00:25:29: um dann doch mal einen Churchill Begriff noch einmal reinzubringen der uns einfach aufgefallen ist bei der Vorbereitung weil er das ja auch irgendwie mit aufgreift ist ein Begriff der Liturgie im dazwischen Also eine Art der Liturgie zu finden, die den Glauben mit den Dingen des Lebens irgendwie vermischt verwebt und aufscheinen sieht.
00:25:46: Wie ist euch das konkret gelungen dieser Liturgien im Dazwischen?
00:25:50: Also ein ganz schönes Beispiel für mich ist das Projekt oder diese Veranstaltungen nimm Platz an meiner Tafel.
00:25:59: Das würde jetzt nochmal den Punkt, den ich eben mit Begegnung beschrieben habe, aufgreift.
00:26:03: Was habt
00:26:04: ihr da gemacht?
00:26:04: Da war in eine ganz riesige Tafel auf dem Chemnitzer Marktplatz aufgestellt mitten in der Stadt und die Menschen konnten einfach dazukommen sich hinsetzen was essen miteinander reden oder einfach ne Weile sitzen bleiben.
00:26:16: na und Die menschen haben das wahrgenommen.
00:26:18: und da saßen dann also ganz viele leute mit unterschiedlichen biografien sprachen auch Und natürlich verschiedenen hintergründen direkt nebeneinander.
00:26:27: uns sind ins gespräch gekommen und das entscheidende war für mich Man musste vorher nicht erst klären, ob man dazugehört.
00:26:33: Man brauchte keine Einladung.
00:26:35: Man musste keine bestimmte religiöse Sprache kennen.
00:26:37: Man musste auch keine Kirchentür durchschreiten was für viele ja schon von Anfang an so eine Art Hemmschwell ist.
00:26:44: Man braucht eigentlich nur Platz nehmen sich einlassen auf die Situation und sich diesen Moment hingeben und ins Gespräch in die Begegnung kommen.
00:26:52: Und das hat für mich persönlich irgendwie etwas sehr liturgisches.
00:26:57: also nicht in dem Sinne dass ich jetzt sagen würde Jetzt erklären wir einfach den Chemnitzer Marktplatz zur Kirche und jede gemeinsame Mahlzeit zum Gottesdienst.
00:27:04: Das wäre mir auch zu schnell, aber mich interessiert gerade das dazwischen was da passiert.
00:27:10: Denn wenn man genauer hinschaut dann geschieht an so einem Tisch ja mehr als dass Menschen nur etwas zusammen essen.
00:27:17: also sie begegnen sich, sie teilen etwas Sie nehmen einander wahr, sie kommen ins Gespräch schenken sich Zeit.
00:27:23: Menschen die sich vielleicht vorher völlig fremd waren sitzen plötzlich nebeneinander entsteht Gemeinschaft.
00:27:31: Das hat für mich was von dem, was auch Liturgie ausmacht und natürlich hat es auch starke biblische Anklänge.
00:27:37: Jesus sitzt immer wieder mit Menschen am Tisch.
00:27:39: Menschen essen miteinander, teilen Brot erzählen.
00:27:42: Gemeinshaft entsteht.
00:27:44: Und deshalb finde ich die Frage spannend, die uns hoffentlich auch weiterhin begleiten wird kann etwas von dieser geistigen Wirklichkeit auch mitten im Alltag aufschein'n und eben nicht nur im
00:27:54: Kirchenraum.".
00:27:55: Du hast ganz am Anfang unseres Gesprächs den Begriff der Lehrstelle genannt.
00:28:01: Und du hast es auch im Buch geschrieben, das Ungesehene zeigt sich eben nicht als Lehrsteller ist schimmert als Verheißung.
00:28:06: und was du jetzt gerade gesagt hast, dass würde ich gerne am Schluss noch mal in den Mittelpunkt stellen.
00:28:09: Was bleibt denn von diesem Ausnahmejahr?
00:28:12: Wie ist es für die Christinnen und Christen in Chemnitz nach diesem Jahr und was wir schätze werden künftig gehoben?
00:28:17: und wie geht's vor Ort weiter nach dem Kulturhauptstadtjahr?
00:28:20: Also ich glaube Daniel, das ist jetzt die spannendste aller Fragen.
00:28:24: Nicht nur mich sondern... Deswegen
00:28:26: habe ich sie mir für den Schluss aufgehoben!
00:28:27: Schön für uns alle, die wir diese Jahre zusammengegangen sind und die wir ganz viel aufgebaut und gestaltet haben.
00:28:34: Jetzt ist das Kalender ja vorbei und wir sitzen natürlich da und denken was passiert jetzt?
00:28:41: Wo dieses twenty-fünfundzwanzig vorbei ist und die große Aufmerksamkeit natürlich weiterzieht?
00:28:46: Ja, weil das Motto C, die anziehen Sie, das Ungesehene war eigentlich ein Slogan für ein bestimmtes Jahr.
00:28:52: Aber die Fragen dahinter, die hören ja nicht mit dem einunddreißigsten zwölften, fünfundzwanzig auf!
00:28:58: Die gehen ja weiter.
00:28:59: also was sehen wir noch nicht?
00:29:00: Was bleibt verborgen?
00:29:02: wie können wir Gottes Gegenwart heben und ins Licht stellen?
00:29:06: Und ich glaube ganz fest, in Chemnitz und der Region lohnt es sich weiterhin auch über twenty-fünfundzwanzig hinaus gerade dorthin zu sehen wo eben nicht automatisch Öffentlichkeit entsteht.
00:29:17: Es beinhaltet eigentlich dieses Motto ja auch schon zum Beispiel bei den Menschen die diese Stadt im Kleinen tragen in Nachbarschaften Initiativen die sich gebildet haben Vereine die sich gründete haben Gemeinden jetzt neu zusammengefunden haben soziale Einrichtungen beispielsweise, Menschen also die sich kümmern.
00:29:35: Die Verantwortung übernehmen, die etwas zusammenhalten ohne dass darüber groß gesprochen wird.
00:29:41: und ich glaube Da gibt es unendlich viel zu entdecken und das lohnt sich auch.
00:29:45: weiter auf die Brüche der Stadt, um die Region zu schauen.
00:29:49: Auf die Historischen, auf die Emotionalen, auf den gesellschaftlichen Brüchen.
00:29:52: Es lohnt dich definitiv weiter an Begriffen zu arbeiten wie Versöhnung, Heilung, Begegnungen weiterhin in den Mittelpunkt zu stellen, unsere ökumenische Verbundenheit weiterhin leben zu lassen denn da ist wirklich unglaublich viel gewachsen.
00:30:11: Ja, mehr als schade wenn jetzt der Alltag wieder übernimmt und das in was wir die letzten Jahre so viel Arbeit und auch Herz gesteckt haben.
00:30:21: Vielleicht Naja ein bisschen untergeht.
00:30:24: ich möchte glauben Ich bin der festen Überzeugung dass davon viel bleibt Und auch wenn es unscheinbar ist und vielleicht auch erst mal noch nicht ganz greifbar für uns Jetzt in diesem Nachjahr sage ich mal Bin ich mir sicher dass der Herr hier weiter mitmischen wird und sich einmischt in das, was hier passiert ist.
00:30:47: Und weiterhin den Segen über uns breiten
00:30:50: wird.".
00:30:52: funktionieren kann, hat man ja vielleicht auch gesehen dass die Kulturkirche auch jetzt dieses Jahr noch beim Kosmosfestival zum Beispiel was ja auch ein großes Festival dieser Stadt ist dabei war.
00:31:00: Ich war ganz überrascht die Kultur Kirche da im August war das glaube ich zu sehen als mitwirkend und denkt mir so ach schön!
00:31:06: Da ist ja auch ganz praktisch tatsächlich etwas weiter gegangen denn wir schreiben ja schon lange sechsundzwanzig und die Kultur kirche ist trotzdem auch irgendwie wahrnehmbar.
00:31:13: Und ich möchte dazu sagen, dass das am Anfang gar nicht so einfach war.
00:31:18: Weil wie ich vorhin schon erwähnt habe wir waren nicht automatisch Teil des Stadtgeschehens und wir waren auch nicht als Kirchen oder als christliche Gemeinschaften automatisch von Anfang an in diesem Kulturhauptstadtboot.
00:31:30: Wir mussten uns da schon hinein kämpfen sage ich jetzt mal den Anführungsstrichen.
00:31:36: also das war schon eine Herausforderung für uns da, diese Stellung zu bekommen.
00:31:44: Das ist uns aber gelungen nicht weil wir uns hineingedrängt haben in den Vordergrund sondern weil wir einfach als dienende Kirche unterwegs waren und dieses Motto siehe das Ungesäne mit unseren Erfahrungen getragen haben.
00:31:57: denn wir als Christen haben dieses C was er eigentlich für Chemnitz steht auch für Christus gelesen und darin haben wir ja tausend lange Erfahrungen, dieses ungesehene sichtbar machen zu wollen.
00:32:10: Und irgendwann haben die Stadt und diese säkulären Institutionen und Gemeinschaften eben verstanden dass es uns da um den Inhalt ging und das war für mich also oder für uns alle eine große Freude wie du sagst dann so ja fast selbstverständlich beim Kosmos Dabei zu sein.
00:32:32: Und ich glaube, das ist eins dieser Dinge die gewachsen sind und die jetzt hoffentlich einfach bleiben werden diese Sichtbarkeit in der Stadt Die eben von Anfang an nicht selbstverständlich war und jetzt Hoffentlich Einfach eine Position hat die die bleiben wird denn wir haben was zu geben Wir haben einen christlichen Auftrag zu folgen und Wir haben Kultur einzubringen.
00:32:55: wir gehören dazu.
00:32:56: eure kühlen ganz herzlichen dank für dieses gespräch.
00:32:59: vielen Dank
00:33:07: Ja und Ulrikes Buch.
00:33:08: Und siehe, ich bin da!
00:33:09: Kircher als geistliche Präsenz im säkularen Raum – das ist im Bonifatius-Verlag erschienen.
00:33:14: Den Link dazu findet ihr wie versprochen in den Shownotes ebenso mit dem Link zu den beiden Folgen mit der Autorin die im Kulturhauptstadtjahr in Chemnitz entstanden sind.
00:33:24: allen unseren Hörerinnen und Hörern aus dem Raum Dresden möchten wir noch ans Herz legen, dass ihr Ulrike Lünn bei einer Live-Veranstaltung der Katholischen Akademie erleben könnt.
00:33:33: Nämlich am ersten Oktober also just in der Woche in dieser Folge erscheint.
00:33:37: Da diskutiert sie mit Jasmin Hack von der katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral-Kurzkamp.
00:33:42: Darüber, wie pastorale Neuaufbrüche zwischen Innovation und Exnovation gelingen könnten.
00:33:47: Erste Oktober, neunzehn Uhr in der Pfarei Sankt Marine in Dresden-Cotta.
00:33:52: Herzliche Einladung an alle dazu zu stoßen!
00:33:54: Alle Infos zur Veranstaltung findet ihr natürlich auch in den Shownotes unter lebendig-akademisch.de.
00:34:01: So, welche Erfahrungen habt ihr vor Ort gemacht?
00:34:03: Wie Kirche auch in säkulare werdenden Zeiten öffentlich präsent werden kann.
00:34:07: Welche Gedanken aus dem heutigen Gespräch hat euch besonders gefallen oder worüber seid ihr vielleicht gestolpert?
00:34:12: Kommentiert gerne auf Instagram oder Facebook!
00:34:15: Und wenn euch die heutige Folge gefallen hat dann lasst gerne eine Fünf-Sterne Bewertung für uns da bei Spotify, Apple Podcasts und dem Player eurer Wahl und empfehlt uns unbedingt weiter an bekannte Kolleginnen oder Familienmitglieder.
00:34:26: vielen Dank für Euren Support.
00:34:33: An der heutigen Folge mitgearbeitet haben Emily Siegel, Jonathan Burger und ich.
00:34:38: Ich bin Daniel Heinze.
00:34:39: Vielen Dank fürs Zuhören!
00:34:40: Und bis zum nächsten Mal.
Neuer Kommentar