Das Unsagbare

Shownotes

Johanna Rahner und Stefan Oster stritten um das Sagbare im kirchlichen Raum, Wolfgang Thierse erkannte Grenzen des Sprechens über Identität und Bettina Jarasch entschuldigte sich für ihren Kinderwunsch, "Indianerhäuptling" zu werden.

Was ist heute also noch sagbar? Und für welche Sprache braucht es eine besondere Sensibilität? Begriffe begrenzen Phänomene, denn irgendwann hört das Hinterfragen auf, womit der Wirklichkeit Gewalt angetan wird. In diesem Zusammenhang gewinnt das zweite Gottesgebot an Bedeutung. Wenn ich mir von etwas ein Bild mache, reduziere ich es auf meine Vorstellungswelt. Diese muss mit der Realität gar nicht übereinstimmen, was Basis aller Fake News ist. Letztlich kann man so auch Ereignisse verstellen und anderen deren Erfahrungen absprechen, wie es Auschwitz-Leugner tun.

Sprache lebt vom Wechselspiel zwischen Sprechenden und hat Verstehen zum Ziel. Sie erzeugt dabei bewusst Emotionen, um uns zu verrücken. Aber wie viel ist erlaubt? Und ab wann wird es verletzend?

Dr. Joachim Klose (Jg. 1964) studierte ab 1982 bis 1995 Theologie, Physik und Philosophie in Dresden, München und Cambridge/USA. Im Jahr 1997 promovierte er sich in Philosophie an der Universität München. Von 1996 bis 1999 war Klose wissenschaftlicher Referent an der Katholischen Akademie in Berlin. Zudem war er 1997/1998 Lehrbeauftragter an der philosophischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin. Nach seiner Zeit als wissenschaftlicher Referent am Deutschen Hygienemuseum in Dresden gründete Klose 2000 die Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen und leitete sie als Direktor. Seit 2007 ist er Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. für den Freistaat Sachsen. Von 2013 bis 2021 moderierte Klose die „AG 13. Februar“, in der sich gesellschaftliche Gruppen und Institutionen der Stadt auf ein gemeinsames und angemessenes Gedenken am Jahrestag der Zerstörung Dresdens verständigen. Seine Interessen und die Schwerpunkte seiner Arbeit sind u.a. die DDR-Geschichte und die Neuen Bundesländer, Religion und Kirche sowie Grenzfragen der Naturwissenschaften. Als Herausgeber brachte er u.a. die Sammelbände „Wie schmeckte die DDR?“ (2010) sowie „Heimatschichten: Anthropologische Grundlegung eines Weltverhältnisses“ (2013) heraus.

Redaktion: Jonas Lietz und Dr. Thomas Arnold; Moderation, Schnitt und Produktion: Daniel Heinze. Foto: pixabay - TuendeBede

Die ganze Reihe im Überblick: https://www.kas.de/de/web/sachsen/veranstaltungen/detail/-/content/die-sprachwissenschaftliche-perspektive

Der Podcast wird als Projekt mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Kommentare (1)

Christina M.

Ich erkenne gerne Ihre wohlwollende Sprechhaltung, Herr Dr. Klose, und ich teile auch Ihre Aussage, dass vieles vom Kontext abhaengt und von der Sprachwahl. Aber: wenn die Sprache unsere Wirklichkeit gestaltet, dann wollen wir doch in unserer Gesellschaft Ausschwitz lieber nicht als "einfachen" Begriff bezeichnen, sondern als schwierigen, komplexen und hochbelasteten Begriff. Und "Behinderte" wollen wir doch lieber "Menschen mit Behinderungen" nennen. Und wir wollen auch nicht sagen, dass "Frauen sich seit Jahrzeiten in der Kirche nicht richtig verstanden und wahrgenommen fuehlen." Das trifft vielleicht auf mich persoenlich zu, aber sicherlich nicht auf Frauen als solche bei 2000 Jahren Kirchengeschichte. Das Verstehenwollen ist die Grundlage, sagen Sie? Stimmt! Kleine Gruppen duerften nicht ueberreagieren, sagen Sie? Stimmt auch! Aber ich spreche hier nicht als Angehoerige einer Kleingruppe...

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