Der Purpur der Freiheit - Sommer-Literaturtipps 2026
Shownotes
In Sachsen und Thüringen müssen die allermeisten noch eine Woche warten, in Hessen oder Rheinland-Pfalz hingegen dürfen viele Schülerinnen und Schüler schon morgen den Stift fallen lassen: Die Sommerferien stehen vor der Tür. Wer seine Urlaubsreise oder entspannte Tage auf Balkonien oder im Schrebergarten gerne mit einem guten Buch in der Hand verbringt und unseren Podcast etwas regelmäßiger hört, weiß, dass er sich dafpr nicht durch Bestseller-Listen und Neuerscheinungen wühlen muss, sondern Literaturtipps mit Tiefgang pünktlich zum Sommerbeginn bei „Mit Herz und Haltung“ geliefert bekommt.
Auch 2026 halten wir wieder die Lese-Empfehlungen von Prof. Dr. Erich Garhammer - einem echten Literaturkenner und Grenzgänger zwischen Theologie, Poesie und Prosa - für euch bereit: Zwischen welchen Buchdeckeln sich interessante Welten und neue Einsichten verbergen, die nicht zuletzt auch theologisch spannend sind, und für welchen Titel sich noch der rasche Weg in die Buchhandlung lohnt, hat er für uns kompakt zusammengefasst.
Prof. Dr. Erich Garhammer studierte in Regensburg katholische Theologie und Germanistik. 1991 übernahm er den Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Homiletik an der Katholisch-Theologischen Fakultät Paderborn und wechselte 2001 bis zu seiner Emeritierung an die Universität Würzburg. Seine große Leidenschaft gilt dem Brückenschlag von der Theologie zu Literatur und Poesie.
Hinweise:
- Die Sommerfolgen der letzten Jahre mit Prof. Dr. Erich Garhammer findet ihr in Playlists zusammengestellt auf YouTube und Spotify
In der Folge werden folgende Autor*innen und Bücher besprochen:
- „Schwebebahnen“ von Hanns-Josef Ortheil
- „Ein Sommer mit Goethe“ von Gustav Seibt
- „Calanda oder Alvas Antwort“ von Angelika Overath
- „Orion“ von Petra Morsbach
Redaktion: Jonatan Burger, Emily Siegel Intro/Outro, Schnitt und Produktion: Daniel Heinze
Der Podcast wird als Projekt mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Transkript anzeigen
00:00:00: Lesen ist immer auch eine imaginäre Reise.
00:00:04: Oder, wie es die Schriftstellerin Angelika Oberrad einmal schön ausgedrückt hat – lesen breitet den Purpur der Freiheit aus!
00:00:13: Um diesem Purpurter Freiheit geht's bei meinen Literaturvorschlägen.
00:00:23: Mit Herz und Haltung
00:00:24: debatten
00:00:25: Positionen-Hintergründe
00:00:27: zu den Fragen
00:00:28: unserer Zeit Buchtipps für die Sommerferien.
00:00:37: Von und mit Professor Dr.
00:00:39: Erich Gahama!
00:00:43: Hallo und herzlich willkommen bei Mit Herz und Haltung, eurem Podcast aus der katholischen Akademie des Bistumdresden Meißen.
00:00:50: Mein Name ist Daniel Heinze.
00:00:51: Schön, dass ihr dabei seid.
00:00:54: In
00:00:54: Sachsen
00:00:55: und Thüringen, also in den Bundesländern auf deren Gebiet das Bistüm Dresden meisten liegt, müssen alle noch eine Woche warten.
00:01:02: In Hessen oder Rheinland-Pfalz dürfen viele Schülerinnen und Schüler morgen die Stifte fallen lassen.
00:01:11: Und wer seine Urlaubsreise oder die entspannten Tage auf Balkonien oder im Schrebergarten gerne mit einem guten Buch in der Hand verbringt und unseren Podcast etwas regelmäßiger hört, weiß dass er oder sie sich dabei nicht durch Bestsellerlisten- oder Neuerscheinungen wühlen muss.
00:01:27: Sondern immer pünktlich zum Sommerbeginn hier bei uns beim Herzt und Haltung Literatur-Tipps mit Tiefgang geliefert bekommt!
00:01:34: Denn auch im Podcast halten wir für euch wieder die Leseempfehlungen von Prof.
00:01:40: Dr.
00:01:40: Erich Gahrhammer bereit, einem echten Literaturkenner und Grenzgänger zwischen Theologie, Poesie und Prosa!
00:01:48: Zwischen welchen Buchdeckeln sich interessante Welten- und neue Einsichten verbergen, die nicht zuletzt auch theologisch spannend sind?
00:01:54: Und für welche Titel noch der rasche Weg in die Buchhandlung lohnt – das hat er zusammengefasst.
00:02:01: In diesem Podcast bespricht er gleich folgende Bücher.
00:02:16: Alle Infos zu diesen Büchern findet ihr natürlich bei uns in den Shownotes.
00:02:20: Prof.
00:02:20: Dr.
00:02:21: Erich Gahrhammer studierte in Regensburg katholische Theologie und Germanistik, und übernahm den Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Homiläthik an der kathologischen Fakultät Paderborn.
00:02:32: Er wechselte bis zu seiner Emeritierung an die Universität Würzburg.
00:02:37: Seine Leidenschaft gilt dem Brückenschlag von Theologie hinzu Literatur- und Poesie.
00:02:46: Unsere diesjährigen Leseempfehlungen für die Sommermonate – jetzt bei mit Herz und Haltung!
00:02:58: Es ist wieder Sommerzeit.
00:03:00: Gerne gebe ich für die Urlaubs- oder auch Ferienlektüre einige Hinweise zum Lesen.
00:03:09: Lesen ist immer auch eine imaginäre Reise, oder wie es die Schriftstellerin Angelika Oberrad einmal schön ausgedrückt hat – lesen breitet den Purpur der Freiheit aus!
00:03:25: Um diesen purpur der freiheit geht es bei meinen Literaturvorschlägen.
00:03:30: Zunächst Hans Josef Orteil, Schwebebahnen ein Roman.
00:03:37: Vier Geschwister von Hans Josefs Orteils sind gestorben bevor er geboren wurde.
00:03:43: Diese Last ruhte nicht nur auf ihm sondern auch auf seinen Eltern besonders auf seine Mutter.
00:03:51: Es hat ihr im Barziner des Wortes die Sprache verschlagen.
00:03:55: was sie rettete war ihre Tätigkeit Als Bibliothekarin, sie war und sie blieb Zeit lebens eine Lesende aber auch eine Klavierspielerin.
00:04:09: Für den kleinen Ortteil der ebenfalls lange ohne Sprache geblieben war, war der Augenblick als ein Klavier in die Wohnung in Köln kame ein Entscheidender in seinem Leben.
00:04:20: Plötzlich erlebte die Mutter ganz anders fähig zum Ausdruck ihres Inneren.
00:04:27: Das Klavierspiel befreite sie und so wurde aus dem symbiotischen Kosmos mit der Mutter, der vor allem ein Kosmos des Rückzugs war plötzlich ein Kosmas des gemeinsamen Aufbruchs.
00:04:43: Hans-Josef lernte mit ihr und von ihr das Klavier spielen Und der Vater war in diesem Kosmos für das Außen verantwortlich.
00:04:53: Er brachte am Abend das draußen mit die Arbeitswelt.
00:04:58: Er war von Beruf, Geodäts-, Landvermesser und bei der Bundesbahn angestellt und mit dem Vater lernte der kleine Hans-Josef Schritt und Sprachel kennen.
00:05:13: Er er war sein erster Sprachlehrer und Orthal behauptet sein Schreibprogramm in Hildesheim als Professor für kreatives Schreiben sei nur eine Kopie des Privatkurses seines Vaters mit ihm gewesen.
00:05:30: Diesen Zusammenhängen ist Orteil in seinem Buch nach allen Regeln der Kunst, Schreiben Lernen und Lehren ausführlich nachgegangen.
00:05:41: Der letzte Roman von Orteile Ombra war geprägt gewesen von seiner lebensbedrohlichen Herzerkrankung im Jahre.
00:05:53: Das ist eigentlich ein Gläschen Wein, das man zu den Gigettis einem venezianischen Fingerflut im Schatten trinkt und genießt.
00:06:02: Also eine Situation der Heiterkeit und der Entspanntheit.
00:06:07: aber Ombra meint auch noch einen ganz anderen Schatten Den Schatten des Todes durch den Hans Josef Orteil gegangen ist.
00:06:19: Und nun hat Orte Sein Werk um das Wuppertal-Kapitel in seiner Biografie ergänzt.
00:06:26: Wer den Block von Hans Josef Orthall regelmäßig verfolgt, wird im vorletzten Jahr bemerkt haben dass plötzlich kleine Miniaturen auftauchten etwa zum Wuppertaaler SV oder zu einem Besuch im Wuppetalle Zoo.
00:06:43: und aus diesen Wuppentale Erinnerungen ist der neue Roman Schwäbebahnen gereift.
00:06:51: Und dieser Roman zeigt eine ganz andere Stimmung.
00:06:55: Er hatte etwas Heitres, Leichtes – auch wenn er in einer traumatisierten Nachgekriegsgesellschaft spielt!
00:07:05: Es geht um die Sozialisation und das Aufwachsen in einer vormedialen Zeit.
00:07:13: Elternhaus, Schule, Freunde und Kirche sind die wichtigsten Institutionen Und es geht um die Menschwertung eines Jungen, der traumatisiert ist.
00:07:25: Es geht um seine Erlösung durch das Klavierspielen und vor allem um eine Freundschaft Die Freundschaft mit einem Mädchen namens Möcke, den in eine ganz andere Herkunftsfamilie einführt In die Familie Mit italienischem Hintergrund.
00:07:46: und es geht dabei immer auch um die Praxis von Frömmigkeit und die Bedeutung von Ritualen.
00:07:56: Der Roman beginnt mit dem Umzug nach Uppertal, Josef so der Protagonist des Romans hat in der Schule in Köln versagt Und deshalb lässt sich der Vater noch Uppertaal versetzen um ihm eine ganz neue Chance zu ermöglichen.
00:08:13: In Kölnen hatte er kaum Kontakte mit anderen Kindern.
00:08:17: Er zeigte keine Aufmerksamkeit im Unterricht galt als Hoffnungsloser Fall.
00:08:23: Die Schulbehörde hat ihn ausgemustert und erklärt, er sei zu früh eingeschult worden – zu früh für sein Alter!
00:08:32: Und nun hat sich der Vater versetzen lassen damit er die Schule noch einmal von vorne beginnen kann.
00:08:39: So wird Wuppertal für den kleinen Josef ein Ort der Befreiung.
00:08:45: Symbol dieser Befreiungen ist für ihn die Schwebebahn.
00:08:50: Der Schwebebandflug ist ein großes Abenteuer eines der größten, das er bisher erlebt hat.
00:08:58: Der Wagen schaukelt sanft und regelmäßig – und es ist wie wenn er den Takt auf dem Klavier nachahmen würde, wenn er einen Wald zu spielt!
00:09:11: Die Schwebebahnen sind eine wunderbare Ferienlektüre.
00:09:17: Sie beschreiben den Aufbruch eines Kindes die erste Freundschaft und das hineinfinden in das Leben.
00:09:34: Der Journalist Gustav Saib hat mit seinem Buch «Eins Sommer mit Goethe» eine Lektüre vorgeschlagen, die ebenfalls die Sommermonate bereichern könnte.
00:09:47: Saib berichtet, dass er in seinem Deutschunterricht an einem humanistischen Gymnasium in München mit Goete nicht im Berührung gekommen sei.
00:09:57: Keine Zeile Goethe.
00:10:01: Vielen Leserinnen und Lesern dürfte es freilich anders herumgegangen sein, dass sie einen unattraktiven Deutschunterricht genossen haben und Goethes Faust viel Ort Flüchtletüre war und die Schüleren und Schüler nicht im richtigen Moment getroffen hat.
00:10:22: Genau für solche Versäumnisse schreibt Seibt seine Einladung zu Goethey Ein kleines Buch.
00:10:31: Es möchte die Leserin und Leser, die Gottes Werke noch nicht oder noch nicht genau genug kennen zum Einsteigen verlocken.
00:10:41: Und es finden sich schöne kleine Lesestücke über das Altern, über Religion, über Natur und Kunst um vieles andere.
00:10:53: Angeregt wurde seit durch die populäre französische Radioserie ein Sommer mit!
00:11:00: Diese Serie beschäftigt sich den Sommer über in täglichen kleinen Beiträgen von einer Viertelstunde mit einem Klassiker der Literatur.
00:11:10: Einen Sommer lang können sich also höher und höher erinnern.
00:11:14: des französischen Radius, in das Werk eines der großen der Weltliterature einführen lassen.
00:11:22: Und die Autoren dieser Sendungen sind selbst ausgewiesene Experten.
00:11:29: die aus ihnen entstandenen kleinen Büchern sind populär, aber nicht vereinfacht.
00:11:36: An genau so einen Sommer mit Goethe hat Gustav Seid gedacht und dafür dieses Buch geschrieben.
00:11:44: Es soll Freude machen unter Halbstaunen lassen und vor allem auch die Freude an einer vielfältigen Sprache wecken.
00:11:55: Keinerlei klassiker Druck oder Bildungsstress soll ausgeübt werden Und deshalb sei für die Empfehlung des Buches ein kleines Beispiel angeführt.
00:12:10: In einem ersten Beitrag geht es um den bekannten Goethe-Berlade der Schatzgräber.
00:12:16: Armut ist die größte Plage, Reichtum ist das höchste Gut – das leuchtet unmittelbar ein!
00:12:24: Aber die Ballade endet mit einem anderen Ausblick, Tagesarbeit abends Gäste, saure Wochen, frue Feste.
00:12:34: Sei dein künftig Zauberwort!
00:12:38: Es geht Goethe also um eine Abwechslung von Mühe und Fest, von Anstrengungen und Urlaub.
00:12:47: Reichtum allein macht nicht glücklich.
00:12:51: Hinter diesem Gedicht – das lässt uns selbst entdecken – steckt ein eigener erlebter Umstand von Goethey.
00:13:03: Er hat sich im Frühjahr zehnt siebenundneunzig als das Gedicht entstand, selbst einen Versuch in der Schatzgeleberei gegönnt.
00:13:13: Er hat es los, Nummer siebentausend sechsenzechsundsechzig der Hamburger Stadt Loterie gekauft – in der Hoffnung damit ein Landgut in Schlesien gewinnen zu können!
00:13:28: Etwas von der fiebrigen Erwartung die jeder Lottespieler kennt pocht also auch im Schatzgräber Goethe.
00:13:38: Bis er entdeckt, nein!
00:13:41: Tagesarbeit, Abendsgäste, saure Wochen, frue Feste sei denn künftig zauberwort.
00:13:50: Das ist ein Lebensmotor und nicht ein Lottogewin.
00:14:02: Angelika Oberradt ist die Reporterin.
00:14:07: Durch das Schreiben von Romanen hat sie sich eine neue Sprache zugelegt, die Sprachidefektion.
00:14:15: Dass ermöglicht ein Betreten von innen Regionen, die bislang verschlossen geblieben sind.
00:14:23: Sie sei Reporterin geblieben aber durch das Schreiben von Romanen habe sie eine neue Stimme gewagt Neuerfahrungen sich selber erschlossen Die Außen der Sprache der Kunst nicht zuteilen sind.
00:14:39: Reportagen sind wichtig und notwendig, aber sie können nicht alles erklären.
00:14:45: Bei allem Wollen und Können bleibt immer auch ein Geheimnis etwas Nichterklärbares.
00:14:53: Es ist immer wieder der Sprung ins Nichtwissen, ins Unabsehbare Und dann vielleicht im Glücksfall das Aufgewangen- und Aufgefangenwerden von einem gelungenen Satz.
00:15:09: Und dieser Satz weiß immer mehr, was ich mit ihm hätte sagen wollen.
00:15:16: Angelica Ora ist überzeugt, dass sich die gleiche Bewusstseinserweiterung auch bei den Lesenden abspielt.
00:15:26: Wenn ein Autor ans Ende gekommen ist entfaltet sich im Lesen der Purpur der Freiheit und deshalb verbeut sich der Autor vor dem Lesenden und lässt ihnen alle Freiheiten.
00:15:42: Der Leser kann sich inspirieren lassen, er kann Seiten überspringen und kommentieren, Seiten herausreißen und gerahmt an die Wand
00:15:52: hängen.".
00:15:53: Das Buch so ist Angelika Oberhardt überzeugt, gehört dem König-Leser.
00:16:02: Angelica Oberhard hat eine Istanbul Trilogie entworfen.
00:16:06: Ein Winter in Istanbul heißt der erste Band der zweite Teil, unschärfende Liebe.
00:16:14: Und nun ist der dritte Teil erschienen Kalanda oder Alvers Antwort.
00:16:24: Nach all den vorherigen Turbulenzen scheinen sie so etwas wie eine ganz normale Familiengeschichte anzubahnen aber plötzlich eine völlig neue Situation.
00:16:42: Erinnert sich nicht mehr genau, wie es ihr der Arzt gesagt hat.
00:16:47: Er war jung und unter seinem weißen Kittel trug er einen Regel Pullover.
00:16:52: Daran erinnert sie sich noch!
00:16:57: Und dann bekommen Sie die Diagnose A L S und lernt die Wörter hinter den Buchstaben kennen.
00:17:07: Amiotrophe lateral sklerose.
00:17:13: Alba lernt jetzt sterben Und so entscheidet sie sich aufzubrechen in ihre geliebte Bergwelt, Auf die Kalanderhütte.
00:17:24: Von dort aus sind es noch siebenhundert Höhenmeter auf den Gipfel und hier könnte sie dann der Schicksal entscheiden lassen.
00:17:34: Würde sie in den Bergen bleiben?
00:17:37: Hat das nicht einen Reiz gemacht über das eigene Leben zu behalten?
00:17:44: Sie war ja immer mutig gewesen.
00:17:48: Dazu hat bei ihr immer gehört etwas riskieren.
00:17:53: Es war ihr Leben, ihr Leben gehörte immer ihr.
00:17:58: Ihr sollte auch der Tod gehören und so bricht sie auf alleine auf den Berggipfel.
00:18:06: Sie braucht eine Antwort auf ihre Situation Und diese Antwort zu spürt.
00:18:12: sie kann es nicht durch das Nachdenken geben.
00:18:17: Es gäbe Grund genug, wenn Suizid einen vielleicht provozierten Unfall zwischen Stolpern und Springen liegt nur eine Sekundentscheidung oder vielleicht auch nur ein kleiner Schwindel.
00:18:31: Sie war Mutter zweier Kinder und sie hatte eine tödliche Krankheit und keiner wusste welchen Verlauf sie nehmen würde.
00:18:41: es gibt zwar Statistiken und Beschreibungen und es gibt die Höllen des Internets Und so informiert sie sich über ihre Krankheit und den eventuellen Verlauf.
00:18:54: Es gibt die erste Variante Unsicherheiten beim Laufen, Sprechstörungen zunehmender Schwundermuskel.
00:19:04: Die zweite Variante Muskelschwunden Zunge Rachen und Lippen.
00:19:09: Und die dritte respiratorische Variante Schwierigkeiten beim Atmen und dann ersticken.
00:19:21: Wem wollte sie ihre Pflege zumuten?
00:19:24: Wie würden die Kinder das sehen?
00:19:27: Sollten Sie nicht eine muttelne Erinnerung behalten, die Klettern konnte, die Vier Kausende bestiegen hatte?
00:19:34: Lebensfroh!
00:19:36: Und wie viele Jahre würde sich Ihre Kinder überhaupt noch begleiten können?
00:19:41: Aber was heißt begleiden?
00:19:44: Sie wäre ein Wrack Erst am Stock Dann am Rolator dann im Rollstuhl und dann in Bett, künstlich ernährt an Maschinen.
00:19:54: Sie würde nicht mehr lächeln können?
00:19:57: Vielleicht würde ihr der Wimpernschlag bleiben, Morsezeichen mit einem Augenlied.
00:20:05: bei ihrer Bergtour begehenen wir zwei befreundete Frauen die sich gegenseitig stützen und sich aufeinander verlassen können.
00:20:16: Da fällt ihr plötzlich ihre Freundin ein, Serena.
00:20:21: Sie hatten sich ewige Freundschaft geschworen.
00:20:24: Sie war Lehrerin geworden für rumänischen Sport, manchmal gab sie auch Deutschunterricht und halb Haus in Ethik.
00:20:33: Sie hatte eine Banklehre gemacht und Wirtschaftswissenschaften studiert.
00:20:38: die ganze Welt stand ja offen.
00:20:40: Sie hat ja eine Aussicht auf einer Stelle in Gelua aber dann war sie doch geblieben bei ihren Geburten bei.
00:20:53: Und plötzlich kam Alva der rettende Gedanke, sehr reiner würde es sein, die er sie zuerst ihre Krankheit offenbarte – das wusste sie jetzt!
00:21:05: Und sie würde mit ihr alles besprechen können und dann ihr Entschluss Sie würde nicht auf den Gipfel weit steigen.
00:21:15: Sie war oft auf diesem Gipfl gewesen denn sie liebte wegen der großartigen Aussicht.
00:21:22: Wie oft hatte sie sich schon in das Gipfelbuch eingetragen, dass dort verschlossen in einem Eisenkasten lag und sich hat er sich darauf gefreut einmal mit ihren Kindern wenn sie größer waren hierherzukommen.
00:21:39: Aber nun wusste sie, Sie würde sehr vorsichtig hinuntergehen.
00:21:45: den gerade entlang Den schmalen Weg direkt am Abgrund würde sie besonders vorsichtig gehen.
00:21:54: Es dürfte ihr nichts geschehen.
00:21:57: Sie empfand sich wieder als kostbar, all war.
00:22:02: dieser Name bedeutet eigentlich Bergen, Retten!
00:22:08: Sie liebte sich und sie würde sehr reiner umarmen.
00:22:13: Ihr sagen wie dankbar sie ihr war und wie ärmer ihr Leben ohne sie gewesen wäre.
00:22:21: ja sie war krank totkrank Aber auf einmal empfand sie sich wieder als lebenssicher.
00:22:30: Sie würde mit Serena nicht viel reden müssen, sie würde etwas Neues beginnen, mit dem es sich nun einverstanden erklärte – nämlich die Krankheit und die Begleitung in der Krankheit, die tödlich enden würde!
00:22:47: Sie würde sie annehmen wie jedes Leben vorher und sie nahm die Stöcke hoch und trat Schritt für Schritt den Rückweg nach Hause an.
00:22:58: Alles hatte sich für sie auf diese Bergtour verändert und wieder zeigt sich ein Roman kann, was eine Reportage nie könnte ins Innere eines Menschen gelangen seine Beweggründe spüren und ertasten und Möglichkeiten durchgehen.
00:23:21: Romane bookstabieren Möglichkeiten.
00:23:25: Romane zeigen nicht nur Wege, sondern manchmal auch Auswege.
00:24:02: in dem Petra Morrsbach kundig und eindringlich das Milieu der Richter um Staatsanwälte beschrieben hat.
00:24:10: Immer zeichnet sie ihre Charaktere, also die schuldige aber doch liebenswerte Typen!
00:24:18: Und nun ist ihr neuer Roman erschienen Orion, der tief in das leere Milieu eintaucht.
00:24:27: Es geht um die Hauptperson Nora, die durch ihre Großmutter in die Literatur eingeht wird.
00:24:34: Weil ihre Mutter krank geworden war, kommt Nora zu Oma Auguste.
00:24:40: und diese Auguste war eine sowohl abstoßende als auch eine anziehende Frau.
00:24:48: Tagsüber lasse mit einer schweren Hornbrille auf der Nase die Bildzeitung oder sie spielte brummelnd mit sich selbst.
00:24:58: Mensch ärgere ich nicht.
00:25:00: abends Bekocht sie dann ihre Enkelin reichlich mit Eiern und Speck, Kotelitz und Zwiebeln und Kartoffelnbrei.
00:25:12: Sie öffnet vorm Schlafengehen ihre Haare die gelbliche Weiß auf ihre Schultern fallen knipste das Licht aus und sangen dann ihre Lieblingslieder etwa Balladen wie den Erlkönig des Sängersfluch oder Die Füße im Feuer.
00:25:35: Für die Enkelin war das mitnichten eine Einschlaffilfe ganz im Gegenteil.
00:25:41: Sie war froh, die Oma wieder verlassen zu können.
00:25:46: Erst viel später begriff sie wieviel sie Oma Auguste verdankte.
00:25:51: Sie hat sie in der literarische Kunst eingeführt ohne es zu wissen oder zu merken.
00:25:59: Kunst war bei ihr Ausdruck der Seele – ohne jegliches Kalkül!
00:26:06: Prästische Anspruch oder Angeberei.
00:26:10: Etwas, das bei aller geheimnisvollen Tiefe so natürlich zum Leben gehörte wie Mensch ärgere dich nicht ohne die Bildzeitung.
00:26:21: Erst später erfuhr die Enkelin dass ihre Oma in der Kunst die Zumutungen ihres Lebens erträglich machte und sie für sich aushaltbar wurden.
00:26:33: Zugleich war für sie seit dem Abend mit der Oma die Literatur, die Möglichkeit zu einem zweiten Leben.
00:26:43: Sie waren Nahrung für ihre Träume, Trost und Abenteuer für Erholung und Orientierung – und so kommt es dass Nora schließlich auch Literatur- und Geschichte studiert!
00:26:59: Sie bekommt in München einen Studienplatz und arbeitet an den Semesterferien am Hauptstaatsarchiv.
00:27:09: Dort werden Sie Ihren späteren Mann, Dr.
00:27:12: Thesaus Dellenbrück kennen und bekommt mit ihm einen Sohn Enneas.
00:27:24: Freilich eine Nierenerkrankung zwingt sie dann dazu aus dem Schuldienst auszuscheiden und eine Kuh anzutreten.
00:27:34: In dieser Kuh setzt sich häufig auf eine Bank die zur Kommunikationsbank wird für ganz unterschiedliche Charaktere der Riha-Gäste.
00:27:46: Sie empfindet diese Bank als einen Loschenplatz über den Park, eine Art BG wahres Buch.
00:27:56: Sie musste jetzt nichts lesen sondern nur zuhören und lebte in den Worten, die sie an der Bank besuchten.
00:28:09: Nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst findet Nora schließlich eine Anstellung in der Monatensierbibliothek in München.
00:28:19: Es gilt, literarische Vor- und Nachlässe zu ordnen und auszuwerden.
00:28:26: Ein Nachlass erregt ihre besondere Aufmerksamkeit als sie dort das Wort Nestbeschmutzung liest.
00:28:35: Es geht um eine kritische Kollegin die bei den Mitgliedern an der Bayerischen Akademie der schönen Künste Alarm geschlagen hat, weil sie sich ihrer unabgestimmten Geschäftsordnung nicht unterwerfen wollte.
00:28:53: Wer die Biografie von Pedro Morzbach kennt weiß dass er hier ihre eigenen Konflikte mit der Akadémie aufarbeitet und fiktional in ihren Roman einbindet.
00:29:09: Der Roman nimmt schließlich eine überraschende Wende, weil ihr T-Sauce Ihr geschiedener Mann ein erneutes Treffen anbietet.
00:29:22: Will er es noch einmal mit ihr versuchen?
00:29:25: Will er noch einmal beginnen?
00:29:29: Der Sohn Enneas überbringt ja diese Anfrage.
00:29:32: Fügt aber sofort hinzu!
00:29:35: Er wolle sich hier nicht einmischen.
00:29:38: Er wisse inzwischen das Paargeschichten kein Terror der vernunft sind.
00:29:47: für die lektüre des romans vom petra morsebach kann man sich die ganze urlaubszeit zeit nehmen.
00:29:55: so reichhaltig ist er weil sich in den figuren des romanz immer auch literarische gestalten spiegeln, die entscheidungen der hauptfigur werden mit literarischen teksten gedeutet problematisiert und ironisiert.
00:30:17: Allein das Literaturverzeichnis weist zwei Seiten der zitierten Texte auf, ein Roman trotz der ernsten Handlung voller Heiterkeit, Tiefgang und voller interessanter Perspektiven.
00:30:38: eine wunderbare Urlaubslektüre also.
00:30:45: genießen Sie den Purpur der Freiheit beim Lesen.
00:30:53: Schöne Erfahrungen bei den Lektüren, der vorgeschlagenen Bücher wünsche ich
00:31:01: Ihnen.".
00:31:10: Das waren sie die Leseempfehlungen in dem Jahr im Jahr für Professor Dr.
00:31:14: Erich Garhammer.
00:31:15: Als ganzes Team von Mit Herz und Haltung wünschen wir euch schon jetzt eine unbeschwerte Urlaubszeit!
00:31:20: Genießt die Sommertage – ob an der See oder anderswo mit einem guten Buch und vielleicht auch mit einem gepflegten Podcast?
00:31:27: Ab dem dritten September begrüßen wir euch an dieser Stelle wieder mit brandneuen Folgen.
00:31:32: Doch auch bis dahin müsst ihr in den Sommermonaten nicht auf Mitherz und Haltung verzichten, denn wir haben für euch im Juli- und August einige der interessantesten Folgen aus unserem gut gefüllten Podcastarchiv rausgesucht!
00:31:43: Es lohnt sich also immer mal hier bei uns im Kanal vorbei zu schauen.
00:31:46: Und alle bisherigen Literaturepisoden von Erich Garhammer findet ihr genau wie alle Buchtipps natürlich in den Show Notes zur heutigen Folge.
00:31:54: Und jetzt sagt mal, welches Buch wandert bei euch dieses Jahr mit in den Urlaub?
00:31:58: Haben euch die Autorinnen und Autoren die Professor Garhammer empfohlen hat vielleicht auch in den Bann gezogen?
00:32:03: Schreibt uns gerne unter www.lebendig-akademisch.de oder kommentiert auf Facebook oder Instagram!
00:32:10: Wenn euch die heutige Folge gefallen hat dann lasst gerne einige Sterne für uns regnen – bei Spotify, Apple Podcasts oder dem Player eurer Wahl.
00:32:18: Empfehlt uns bitte weiter an Arbeitskollegen, Bekannte oder Familienmitglieder.
00:32:22: Die ebenfalls noch Lesestoff- oder Podcasts für die lange Fahrt in den Urlaub oder zurück nach Hause suchen.
00:32:28: Vielen Dank für eure Unterstützung!
00:32:34: An der heutigen Folge mitgearbeitet haben Erich Garhammer, Emily Siegel, Jonathan Burger und ich Daniel Heinze.
00:32:41: Vielen dank fürs Zuhören.
00:32:42: Schönen Sommer und bis bald!
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